eBook-Preise – Zu billig und überteuert

Nachdem ich eben den neuen Blogeintrag von theworldofbigeyes gelesen und selber auf Facebook eine Frage zu dem Thema in die Runde geworfen habe, fühle ich mich nun irgendwie „verpflichtet“ selber Stellung zum Thema „eBook-Preise“ zu beziehen.

Inzwischen sind eBooks für mich ein kaum noch wegzudenkendes Medium – so sehr ich mich anfangs auch dagegen gewehrt habe. Ich habe selber zwei Reader (einen davon überraschend gewonnen) und lese inzwischen eigentlich sehr gerne eBooks. Auch ertappe ich mich das eine oder andere Mal dabei, wie ich die Bequemlichkeit meines Kindles nutze, um mir mal eben im Bett liegend den nächsten Band einer Reihe zu kaufen, die ich gerade ausgelesen habe. Einfach weil ich es kann und unbedingt weiterlesen will.
Als Autorin genieße ich den Vorteil der eBooks ebenfalls, denn meine Leser können sich schnell mein neuestes Buch zulegen, ohne auf die Printausgabe warten zu müssen und als Verlegerin mache ich mit den eBooks (im Stückpreis gesehen), mehr Gewinn als mit den Prints. Ihr seht, ich habe gleich drei verschiedene Betrachtungswinkel zu dem Thema und ich möchte euch heute nicht einen einzigen davon vorenthalten.

trennung

Als Leserin schätze ich definitiv die Bequemlichkeit des Einkaufs. Was mich dabei aber durchaus oft abschreckt, sind die Preise, um die es hier ja in erster Linie gehen soll. Was ich bereit bin für ein eBook zu zahlen? In der Regel liegt meine höchstgrenze bei 10 €. Und selbst diesen Preis zahle ich nur dann für eine Datei, wenn ich genau weiß, was mich erwartet. Entweder ich habe das Buch bereits als Print gelesen und will es aus irgendeinem Grund auch auf meinem Reader haben (ja, so etwas kommt auch vor) oder ich kenne den Autor genau und weiß, dass es mich mitreißen wird (was inzwischen öfter vorkommt).
Ein gutes, teureres Beispiel ist die Reihe „His dark Materials“ von Philip Pullmann. Nachdem ich, wenn auch zögerlich, den ersten Band via Kindle für 7,99€ gekauft habe, hatte ich keine Schmerzen damit, nur wenige Tage nachdem ich es ausgelesen hatte, auch den zweiten zu kaufen. Denn ich wusste, dass mir gefällt, was ich da lese und ich wollte dringend weiterlesen!
Ganz anders kam es bei „Percy Jackson„: Selber Preis, anderer Effekt. Ich war so dermaßen enttäuscht, nachdem ich mich ziemlich auf dieses Buch gefreut hatte, dass ich beinahe meinen Reader an die Wand geworfen hätte. So viel tolles gerede, soviel geschwärme und so gute Rezensionen und dann das?! Da war ich richtig sauer, dass ich tatsächlich 7,99€ in die Tonne getreten hatte.
(Alle Fans der PercyJackson-Reihe mögen mir an dieser Stelle verzeihen, aber ich fand es wirklich so schlimm!)
Jedenfalls überlege ich es mir seitdem wirklich drei Mal, ob ich tatsächlich 8€ oder mehr für eine Datei ausgebe. Shit happens …

Als Autorin hingegen schmerzt es mich oft zu sehen, dass besonders die Selfpublisher unter uns, sich häufig unter wert verkaufen. Wenn ich sehe, dass sie ihre 300-Seiten-„Wälzer“ für 0,99€ auf Amazon anbieten, nur um in den Verkaufshits steigen zu können, dann will mir am liebsten das Herz brechen! Es scheint regelrecht in ein großes unterbieten auszuarten, das mir als Autorin wehtun würde, wenn ich meine eigenen Bücher für diesen Preis sähe. Sicher, die Selfpublisher haben ihre Gründe dafür und diese mögen auch effizient sein, aber trotzdem ist es so, dass es mich schmerzt, diese Preise zu sehen. Ich arbeite hart für meine Bücher, lasse Schweiß und Tränen in jede Zeile fließen, fluche und verzweifle und sitze oft bis spät in die Nacht an der Arbeit. Und dann soll ich mein Buch für den Preis eines schrecklich schmeckenden Kaffees am Bahnhof verticken? No way! Als Autorin will ich nie eines meiner Bücher für so wenig Geld auf dem Markt sehen und als Leserin erwische ich mich oft bei der Frage „Kann ein so billiges Buch wirklich gut sein?“.
(Traurig, aber wahr.)

Die Verlegerin allerdings widerspricht in mancherlei Hinsicht dem, was die Autorin sagt. „Die Bücher sind nicht billig“, sagt sie. „Sie sind nur preiswert und Zielgruppenorientiert.“ Mag sein. Vielleser geben auch viel Geld für Bücher aus und je günstiger diese Bücher sind, desto mehr sind sie bereit zu kaufen. Je weniger ein Buch kostet, desto schneller geht der Kunde das Risiko eines „Fehlkaufs“ ein. Immerhin: „Wenn’s doch nicht so gut ist, waren’s wenigstens nur 99 cent.“ Und wenn es gut ist? Dann wird es weiterempfohlen, fleißig gekauft, der Bestsellerrang steigt und man kann den Preis anheben. Klasse Technik, der ich mich als Verlegerin vielleicht auch bald mal bedienen werde, wenn auch aus anderen Gründen als der Bestsellerliste.
Und kann ein eBook für die Verlegerin zu teuer werden? Ja! Ich passe meine Preise nur bedingt an denen der Printausgaben an, denn egal was eine Print kostet, ich würde ein eBook nie für mehr als 8€ verkaufen wollen. Oder 7,99€ im Fall der kürzlich erschienen Wolfsanthologie. Die dazugehörige Printausgabe kostet 14,99€, ist im Gegensatz zu dem eBook aber illustriert und hat im Format DIN A 5 stolze 310 Seiten. Da hier der Erlös komplett gespendet wird, hatte ich keine Schmerzen damit, den Preis höher zu setzen als bei den anderen im Weltenschmieden Verlag erschienenen eBooks. Der Leser wird hier mit 19 großartigen Kurzgeschichten gefüttert und ich spende den Erlös. Da kann ich den Preis ruhig etwas hochschrauben, damit nach Abzug von Händlergebüren etc. auch noch eine nennenswerte Spende erhalten bleibt.
Die „Standard-eBooks“ hingegen haben mehr oder minder ihren Festbreis von 6,99€. Wieso? Ganz einfach: Weil ich die Leser nicht mit zu hohen Preisen abschrecken will, weil ich als Autorin weiß, dass man sich nicht ZU billig verkaufen möchte und weil ich als Verlegerin auch etwas vom Kuchen haben möchte, wenn ich stolze 50% des erzielten Gewinns an den Autor auszahle 😉

„Moment mal! Da gibt es doch auch noch diese 2,99€-eBooks bei dir!“

Richtig. Die gibt es. Und als ich die sogenannten eBook-Serien in meinen Verlag mit aufgenommen habe, habe ich lange hin und her überlegt, wie diese sich wohl am besten für alle beteiligten verkaufen würden. Mein erster Gedanke war, dass sie sich in die 0,99€ Bücher auf Amazon einfügen sollten. Diese Idee habe ich aber schnell wieder verworfen, denn in einer einzigen Episode dieser Serien steckt reichlich Arbeit. So viel, dass man es sich als Selfpublisher vielleicht erlauben könnte, sie für laue 0,99€ zu verkaufen, als als Verlag aber einfach nicht machbar ist. Nach abzug von Händlergebüren würde so wenig bleiben, dass es lächerlich für Autor und Verlag wäre. Schon bei 2,99€ im Monat nur sehr wenig rum.
Und trotzdem … Vor einigen Absätzen (Gott, der Beitrag zieht sich in die Länge), habe ich bereits erwähnt, dass ich überlege, die 99cent-Regelung zumindest Teilweise in das Verlagsprogramm aufzunehmen. Und jetzt sind wir bei dem Thema angekommen, zu dem es passt: eBook-Serien.
Warum verkauft man sein eBook für knapp einen Euro? Damit die Leute es kaufen, gefallen daran finden und es weiter empfehlen! Aus diesem Grund habe ich beschlossen, dass es für die eBook-Serien demnächst ein neues Prinzip gegebn wird, nachdem ich die einzelenen Episoden für einen kurzen Zeitraum zu einem reduzierten Preis von 99 cent anbieten werde. Während dieser Zeit haben die Leser Gelegenheit, sich von der Serie, die sie ins Auge gefasst haben, und von dem betreffenden Autor zu überzeugen. Außerdem können sie dann entscheiden, ob sie in Zukunft gewillt sein werden, die üblichen 2,99€ zu zahlen. Dieses Prinzip setzt natürlich voraus, dass jeder Käufer sich vor Augen führen muss, dass hinter einer jeden Episode viele Wochen, wenn nicht gar Monate, Arbeit eines Autors liegen. Nicht zu vergessen das Lektorat und der Verlag.
(Tatsächlich fände ich es dem Autor gegenüber nahezu beleidigend, wenn ich als Verlegerin eine dieser Episoden länger als 2 Wochen für 0,99€ verkaufen würde. Das ist einfach unter wert!)

trennung

So … Nun kennt ihr meine doch sehr wirren und teilweise auch widersprüchlichen Ansichten bezüglich eBooks und ihrer Preise – zumindest wenn ihr es bis hierher geschafft habt zu lesen?

Habt ihr selber eine oder mehrere Meinungen zu diesem Thema? Dann hinterlasst mir gerne einen Kommentar. Und wenn ihr vielleicht sogar schon einen ähnlichen Beitrag wie diesen verfasst habt, dann freue ich mich auch über eure Verlinkung in einem Kommi 🙂

Advertisements

3 Gedanken zu “eBook-Preise – Zu billig und überteuert

  1. bigeyesramona schreibt:

    Ich hab auch zwei Reader 🙂
    Ich bin zufällig in meiner Stammbuchhandlung über eine Sonderaktion gestolpert und hab gleich einen mitgenommen, falls der andere kaputt geht oder ähnliches 🙂

    Bei mir ist es eher andersrum. Wenn mir ein Ebook richtig gut gefällt, will ich es auch als Print haben. Dann hab ich es im Regal und auf dem Reader.

    Ich glaube es ist ganz schön schwierig die richtige Mischung zu finden um als AutorIn was zu verdienen und die Leser bei Laune zu halten. Die Meinung, dass Ebooks extrem billig sein sollten, schließlich ist es ja nur eine Datei, hält sich immer noch recht konstant. Im Endeffekt sollte das Ebook billiger sein, schließlich hab ich es ja nicht auf Papier, dennoch ist es trotzdem so wie du sagst: Es steckt unheimlich viel Arbeit drin und die sollte auch honoriert werden.

    Ich fand eine Aussage gestern bei der Diskussion sehr interessant: „Ich bin ja Studentin und hab nicht viel Geld.“
    Ich studiere auch und muss nebenher jobben, um überhaupt studieren zu können, aber trotzdem zwacke ich jeden Monat Geld für mein Lieblingshobby, das Lesen, ab. Oder was ich neuerdings auch mache: Meine Bücher, die ich nicht mehr lese, auf Amazon gegen Gutscheine einzutauschen.
    Das Argument gilt also nicht und deswegen können die Autoren ja jetzt nicht alle ihre Preise reduzieren.

    Ich finde es auch sehr schade, dass manche Autoren ihre Ebooks geradzu verschleudern. Allerdings sind solche 99 Cent Aktionen klasse. Dann kann man mal reinschnupern und wenn es einem nicht gefällt, ist es jetzt nicht sooo schlimm, als wenn man 7/8€ ausgegeben hat.

    Und ein Ebook für 6,99€ ist absolut legitim!

  2. leandergeorgweiss schreibt:

    Ich lese eBooks seit es in Deutschland den ersten Sony-PRS 405 gab. Und das ist wie lange her? 8 Jahre?

    Am Anfang war es ja kaum auszuhalten, wie alle an ihrem bedruckten Papier hingen. Am liebsten hätte man mich aus der Bruderschaft der Leser mit Schimpf und Schande herausgeworfen. Glücklicherweise gab es eine solche Bruderschaft nicht und ich las einfach weiter.

    Inzwischen hat das missbilligende Kopfschütteln etwas nachgelassen, aber weit und breit bin ich immer noch der einzige der
    – Im Bett lesen kann, ohne dass der Arm vom Buchhalten steif wird
    – Nicht 10% seines Gepäckvolumens und 15% seine Gepäckgewichtes im Urlaub für Lesestoff benötigt.
    – Seine Lektüre immer dabei hat.
    – Keine Krise kriegt, wenn die Katze oder die Schwerkraft das Lesezeichen aus dem Buch zieht
    – Seine Bücher (in der Cloud gespeichert) auch dann noch lesen kann, wenn ich alles vergessen habe, außer vielleicht meinem Handy

    Ergo:
    eBooks sind einfach praktisch. Und ich will lesen. Ich will kein Papier kaufen und verschlingen. Ich will Inhalt kaufen, Spannung in den Worten finden und nicht in der Bindung der Seiten.
    Wenn ich Papier will, kaufe ich mir 500 Blatt Druckerpapier.

    Und mit dieser Sichtweise habe ich auch mein Preisproblem abgelegt. Ja, auch ich hatte am Anfang bedenken, für ein eBook mehr als 12 Euro auszulegen. Jetzt ist die einzige Frage die mich interessiert die, ob mir der Inhalt gefällt.

    Und ich spare ja auch noch das Geld für Bücherregale. Früher waren meine Buden und später meine Wohnungen immer eine Freude für den Besitzer dieses schwedischen Möbelhauses. Wie heißt das noch mal?

    Der einzige Nachteil, der in der Welt des DRM* noch gelöst werden muss, ist der Verkauf von Büchern, die ich ausgelesen habe und die mir nicht mehr gefallen. Oder die, die mir besonders gefallen und die ich verleihen will.

    Hätte ich meinen Blog vor 20 Jahren begonnen, hätte ich Papier herumschleppen müssen, meine Handschrift nicht mehr entziffern können, das ganze hinterher Abtippen dürfen. Und am Ende hätte ich es nach dem dritten Bier im Pub vergessen und es nie wiedergefunden.

    So ist mein gerade begonnener Blog eine Art eBook und vielleicht wird mal ohne Abtippen ein „richtiges“ eBook raus und wenn es irgendwer irgendwann mal auf Papier drucken will, lass ich mich vielleicht auch breitschlagen.

    Und solange keine verrückte Regierung aus Süden, Westen, Osten oder Norden kommt und mit einem EMP* alle meine elektronischen Devices killt … Und wenn doch …. Ich hab noch ein paar Bücher über Selbstversorgung und Handwerken im Mittelalter. Auf Papier. Im Bücherregal meiner Partnerin.

    *Digital Rights Management
    *Electomagnetic Pulse (nach einem Atombombenangriff)

  3. leandergeorgweiss schreibt:

    Hat dies auf midwaybetween rebloggt und kommentierte:
    Ich lese eBooks seit es in Deutschland den ersten Sony-PRS 405 gab. Und das ist wie lange her? 8 Jahre?

    Am Anfang war es ja kaum auszuhalten, wie alle an ihrem bedruckten Papier hingen. Am liebsten hätte man mich aus der Bruderschaft der Leser mit Schimpf und Schande herausgeworfen. Glücklicherweise gab es eine solche Bruderschaft nicht und ich las einfach weiter.

    eBooks sind einfach praktisch. Und ich will lesen. Ich will kein Papier kaufen und verschlingen. Ich will Inhalt kaufen, Spannung in den Worten finden und nicht in der Bindung der Seiten.
    Wenn ich Papier will, kaufe ich mir 500 Blatt Druckerpapier.

    Und solange keine verrückte Regierung aus Süden, Westen, Osten oder Norden kommt und mit einem EMP* alle meine elektronischen Devices killt … Und wenn doch …. Ich hab noch ein paar Bücher über Selbstversorgung und Handwerken im Mittelalter. Auf Papier. Im Bücherregal meiner Partnerin.

    *Electomagnetic Pulse (nach einem Atombombenangriff)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s