Christian Bold – Eine Weihnachtsgeschichte (Teil 3)

CB_Cover 600xEs geht weiter! Hier ist nun der dritte Teil der Weihnachtsgeschichte um Christian Bold!
Habt Spaß und macht euch einen schönen 2. Advent 😀

Hier geht es zum ANFANG der Geschichte.

Christian Bold: Teil 3
Willenlos

Während des Essens lockerte sich die Stimmung allmählich wieder und Christian verlor das merkwürdige Gefühl, das ihn beschlichen hatte. Wenn es nicht um Sex ging, dann war es, als führten Frank und Joshua eine ganz normale Beziehung. Sogar die Liebe zwischen ihnen konnte Chris deutlich spüren.
Sie unterhielten sich über Alltagsdinge und Chris genoss es, die beiden näher kennenzulernen. Je mehr Zeit er mit ihnen verbrachte, desto klarer wurde ihm, dass er Frank bis heute eigentlich gar nicht wirklich kennengelernt hatte. Seit Jahren trafen sie sich regelmäßig, aber über sein Privatleben wusste er kaum etwas. Genau wie über seinen Umgang mit seinem Liebsten, denn wenn sie sich mal über Beziehungen unterhalten hatte, dann waren es nur theoretische Gespräche gewesen. Oder Erfahrungsaustausch. Oder Frank hatte um seinen Rat gebeten. Jetzt erst wurde ihm klar, was die beiden für eine Beziehung führten.
Besonders faszinierend fand er dabei, dass es ihm gefiel. Joshua war zuvorkommend und schien die Rolle der »Hausfrau« sehr gerne zu spielen. Jedes Mal, wenn Frank ihm zur Hand gehen wollte, wies er ihn zurück und bat ihn lächelnd, sich wieder zu setzen. Und wenn en Frank vorbeiging, dann wuschelte er ihm zärtlich durchs Haar oder stahl sich einen Kuss. Von der Anspannung zwischen den beiden war nichts mehr übrig, als sie das Essen schließlich beendeten.
»Das war wirklich sehr lecker«, lobte Chris und lehnte sich mit vollem Bauch zurück. Morgen würde er nicht so reinhauen können, wenn er danach noch große Leistungen bringen sollte. Aber nach dem er inzwischen seine dritte Portion genüsslich verschlungen hatte, bezweifelte er ohnehin, dass er in den nächsten Tagen noch mal ein Hungergefühl verspüren würde. »Kann ich dich hin und wieder als Koch mieten?«
»Du kannst zumindest öfter zum Essen kommen«, grinste Frank, der nicht weniger Satt auf seinem Stuhl hing und nach seinen Zigaretten suchte.
»Schatz«, sagte Joshua tadelnd. »Nicht im Haus bitte. Der Gestank deiner Glimmstängel vertreibt sonst den Weihnachtsduft.«
Frank rümpfte die Nase, schob die Schachtel aber wieder in seine Brusttasche und erhob sich. »Also gut. Chris? Gehen wir auf die Terrasse?«
Schmunzelnd erhob sich auch Chris und nickte. Dieses Mal hatte er seine eigenen Zigaretten dabei. Er warf Joshua noch einen kurzen Blick zu, der eifrig dabei war, den Tisch abzuräumen, und folgte Frank dann durch die Terrassentür in den hinteren Teil des Gartens. Lichterketten schmückten eine kleine Tanne und hölzerne Weihnachtsmänner standen auf dem feuchten Rasen.
»Und?«, fragte Frank, während er ihm Feuer gab. »Was denkst du?«
»Ich denke, dass du da einen echten Goldschatz hast.« Er nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarette und legte den Kopf in den Nacken. Ja, einen Goldschatz hatte der Fotograf da wirklich. Nur, dass er ihm nicht gerecht wurde, aber er würde den Teufel tun und das laut aussprechen.
»Also wirst du es tun?«
Mit einem dunklen Lachen, das erregter klang, als beabsichtigt, wandte Chris den Blick wieder zu seinem Freund und nickte. »Selbstverständlich. Wie könnte ich da Nein sagen?«
Eine Weile standen sie nur schweigend da, sahen in den Sternenhimmel und rauchten ihre Verdauungszigaretten. Doch bevor Chris seinen letzten Zug nahm, ergriff er wieder das Wort. »Sollte ich noch irgendetwas wissen? Verhaltensregeln? Hast du Tabus, die ich mir auf die Liste setzen sollte?«
Frank überlegte einen Moment und nickte dann langsam. »Was er auch verlangt … verletz ihn nicht.«
Chris zog die Brauen hoch. »Was? Natürlich nicht.«
»Ich meine es Ernst, Chris. Er wird dich anflehen, ihm wehzutun und er wird immer mehr verlangen. Aber … ich will kein Blut sehen, verstanden?«
Der feste Ton in Franks Stimme ließ Chris misstrauisch werden. »Du glaubst, er will, dass ich ihn bluten lasse?«
»Ich gehe davon aus.«
»Wieso?«
»Weil er es immer wieder versucht. Ich weiß nicht warum, aber …« Frank brach ab. Mit einem Mal wirkte er wieder bedrückt und Chris musste sich zusammenreißen, um die Antwort nicht aus ihm herauszuschütteln. Zeit geben. Frank würde von alleine weitersprechen, wenn ihm die Sache ernst war. Und tatsächlich …
»Vor einiger Zeit … habe ich ihm nachgegeben und es weiter getrieben, als ich es normalerweise tue. Dabei ist ihm … eines der Piercings herausgerissen.«
Chris erschauderte. »Herausgerissen?«
»Ja. Er hat sich so heftig gewehrt und mich angefeuert, weiter zu machen, dass … dass er sich dabei einen der Ringe herausgerissen hat. Und er fand es geil. Er hat geheult und war fix und fertig, aber danach … war er so unglaublich glücklich und befreit.«
Chris verbrannte sich fast an seiner Zigarette, als er einen letzten tiefen Zug von dem Stummel nehmen wollte. Ein bitterer Geschmack machte sich in seinem Mund breit. Filter geraucht. Verdammt!
»Okay … Also kein Blut und nicht übertreiben. Das bekomme ich hin.«
Frank lächelte. »Danke.«
»Und wie stellst du dir das ansonsten vor?« Chris drückte die Zigarette aus und angelte nach einer zweiten. Diese Geschichte musste er erstmal verdauen. Nicht, weil es ihm zu heftig vorkam, sondern weil es seine Vermutung nur noch einmal unterstrich. Frank reichte dem hübschen Subbie nicht – deswegen wollte er einen zweiten Dom haben.
»Keine Ahnung. Es ist sein Geschenk. Das solltest du vielleicht lieber ihn fragen.«
»Ich frage dich. Du bist der Dom.« Eine Tatsache, die Frank scheinbar hin und wieder vergaß, wenn sein Kleiner kein Halsband trug.
»Ich will, dass du ihm gibst, was er will«, antwortete Frank schließlich und steckte sich ebenfalls einen zweiten Glimmstängel an. »Nur nicht zu extrem. Wolltest du nicht ohnehin noch mal mit ihm sprechen?«
Das lief eigenartig. Ganz anders, als Chris es gewohnt war. Normalerweise wurden die Sklaven einfach mit den Vorstellungen ihres Doms konfrontiert oder es wurde im Vorfeld zu dritt alles abgesprochen. Alles was gewünscht und verboten war. Chris wusste, dass es besser wäre, diese Prozedur beizubehalten. Er wusste, dass es Probleme machen konnte, wenn nicht alle Grenzen und jede Kleinigkeit zumindest mit dem Dom abgesprochen war. Und doch …
»Okay. Ich werde noch mal mit ihm reden.«
Er drückte die Zigarette aus, obwohl er sie noch nicht mal halb geraucht hatte und grinste Frank entgegen. »Lass dir Zeit mit deiner zweiten.« Er zwinkerte noch einmal, dann schob er die Terrassentür wieder auf, trat zurück ins warme Haus und schloss die Tür hinter sich wieder. Leises Klappern sagte ihm, dass Joshua sich noch in der Küche befand, also ging er mit suchendem Blick über den Flur und fand schließlich die kleine, aber durchaus geräumige Küche.
Josh räumte gerade den Geschirrspüler ein, als er eintrat und sich gegen die Anrichte lehnte. Chris verschränkte die Arme vor der Brust und beobachtete den Kleineren eingehend.
Als Josh ihn bemerkte, zuckte er vor Schreck zusammen. »Himmel! Wieso schleichst du dich denn so an?«
Chris grinste. »Du warst in Gedanken. Ich bin nicht geschlichen.«
Josh lächelte verlegen und zuckte mit den Schultern. »Kann schon sein. Was kann ich für dich tun? Noch was trinken?«
»Nein«, antwortete Chris ruhig. Josh sah ihn abwartend an. Die Nervosität in dem jungen Mann stieg sichtlich an.
»Ehm … okay.« Josh wandte sich wieder ab und räumte weiter den Geschirrspüler ein. Ohne noch etwas zu sagen, verharrte Chris und beobachtete ihn ungeniert weiter. Hier in der Küche, wo sie alleine waren und Frank seine Finger nicht im Spiel hatte, wirkte sein Gegenüber viel weniger selbstbewusst. Eigenartig …
Als Josh mit der Spüle fertig war und an ihm vorbei ging, fing Chris ihn ab. Er streckte nur den Arm aus und legte die Hand auf die schlanke Brust. Joshua blieb sofort stehen und sah ihn an. Ein matter Glanz lag in den schönen, dunkelblauen Augen. Chris schmunzelte.
»Ich will reden«, sagte er schließlich. »Besser gesagt: Ich will, dass du redest.«
Josh wandte sich zu ihm, wobei Christians Finger automatisch über die Brust des jüngeren glitt. Noch mehr Piercings. In den Brustwarzen … Es lief ihm kalt den Rücken hinunter. Die hatte er vorhin gar nicht wahrgenommen. Wahrscheinlich hatte der kleine Ring am Schwanz des Sklaven ihn viel zu sehr abgelenkt.
»Und worüber soll ich reden?«
»Über deinen Weihnachtswunsch. Sag mir, was du willst. Was erwartest du von mir, wenn ich morgen komme.«
Joshs Mundwinkel zuckte nach oben und er senkte den Blick. Ein Hauch von Trauer huschte über sein Gesicht. Chris zog die Brauen zusammen und beobachtete die Mimik skeptisch. »Sieh mich an«, forderte er und hob Joshs Kinn an.
Der Kleine gehorchte und sah zu ihm empor. Eine feine Röte hatte sich auf die dunklen Wangen gelegt. »Was erwartest du von mir?«
»Dass du … Spaß hast«, antwortete Joshua nach ein paar Sekunden zögerlich. »Ich erwarte, dass … dass du herkommst und mein Dom bist – kein Besucher. Ich …«
Joshua war wie ausgewechselt, wandte schon wieder den Blick ab und seine Scham war fast greifbar. Wieso schämte er sich? Er hatte sich doch auch widerstandslos vor ihm ausgezogen und auch dabei war nicht die Spur von Scham zu sehen gewesen.
»Du?«, fragte er nachdrücklicher.
»Ich …« Joshs Augen begannen, gefährlich zu glänzen. »Kann das unter uns bleiben?«
Nein! Natürlich nicht! Wo kämen sie denn da hin?
»Selbstverständlich«, hörte Chris sich antworten. Verdammt! Sein Beschützerinstinkt war erwacht. Seit wann hatte er so was?! Dieser Junge war unglücklich. Mehr als unglücklich und Chris wollte, dass das aufhörte. Nichts wollte er mehr, als diese blauen Augen lachen zu sehen.
Josh trat näher an ihn heran und die Spannung zwischen ihnen stieg. Chris glaubte, ein Knistern zu spüren. Wie albern.
»Ich will … ich will, dass er sieht, dass ich mehr aushalte. Dass ich … mehr brauche. Frank ist … er ist immer viel zu besorgt und ich will, dass das aufhört.«
Ohne etwas dagegen tun zu können, hob Chris die Hand und fing die kleine Träne ab, die über Joshs Wange kullerte.
»Ich will ihn nicht verlieren«, fuhr Josh fort, schmiegte sich leicht gegen seine Hand. »Ich bin glücklich mit ihm, aber …«
»Aber nur solange es nicht um den Sex geht.«
Josh nickte und sah dankbar zu ihm auf. »Du bist sozusagen …«
»Nein«, sagte Chris und zog die Hand zurück. »Sag das nicht. Sprich diesen Satz nicht zu Ende, sonst werde ich gehen und dieses Haus so schnell nicht wieder betreten.«
Er wusste, was Josh sagen wollte. Es war nicht das erste Mal, dass ein Pärchen ihn dazu holte, um die Beziehung »zu retten«. Aber solche Heldentaten lagen nicht in seiner Macht. Es war blanker Unsinn, dass ein dritter die Liebe zweier Partner retten konnte. Und wenn er ehrlich zu sich selbst war, dann musste er gehen. Er musste den Wunsch des Sklaven und die Bitte seines Herrn ausschlagen. Sie mussten ihre Probleme selber regeln. Sich aussprechen und das klären, bevor sie einen Schritt wie diesen taten.
Aber Chris wollte nicht ehrlich zu sich selbst sein. Nicht, wenn er in diese Augen sah, an den Fingern noch die Träne hatte und ständig die goldenen Ringe vor sich sah.
»Wirst du es tun?«, fragte Josh. Nun war er es, der die Hände hob. Die schlanken Finger legten sich auf Christians Brust, streichelten zögerlich darüber. »Bitte sag mir, dass du es tun wirst. Ich … will es so sehr. Ich will euch beide.« Die weichen Lippen kamen näher, sahen so unglaublich verlockend aus. »Ich will euch in mir spüren. Gleichzeitig. Ich will … dass du mich nimmst, während ich seinen Schwanz lutsche und dann … will ich euch beide gleichzeitig in mir haben. In meinem Arsch. Bitte, Chris …«
Ihm wurde schwindelig bei der Vorstellung. Joshuas Worte kurbelten sein Kopfkino blitzschnell an und die Nähe des jüngeren raubte ihm fast den Atem. Gott, so hatte er sich ewig nicht mehr gefühlt. Seine Hand glitt über den schlanken Rücken empor, befühlte die unter rotem Stoff verborgenen Piercings und glitt schließlich in das weiche, schwarze Haar. Dort packte er zu. Er verkrallte die Finger in den langen Strähnen, zog Joshs Kopf nach hinten und der schlanke Körper sank bebend gegen seine Brust. Chris lächelte und fuhr mit der Nase über die heiße Wange.
»Ich bevorzuge die Anrede ›Master‹ und genau die wirst du ab morgen verwenden. Klar?«
»Jah … Master«, keuchte Joshua. Chris schnurrte genüsslich und spürte, wie Josh sich gegen seinen Körper rieb. Herrlich. Es war viel zu lange her, dass er die Nähe eines Subs so genossen hatte.
»So ist es brav.« Chris fuhr mit den Fingern der freien Hand das schöne Gesicht nach. Sein Blick huschte über die leicht geöffneten Lippen. Er sah die Sehnsucht in dem hübschen Gesicht, spürte sie selber. Aber er wiederstand dem Drang, gab ihm nicht nach. Nicht heute.
Langsam löste er seinen Griff wieder, fuhr ein letztes Mal mit dem Daumen über Joshs Lippen und schob ihn dann von sich.
»Morgen, Kleiner. Nicht mehr heute«, sagte er und betrachtete amüsiert die gut sichtbare Beule, die sich zwischen Joshs Beinen abzeichnete. »Jetzt hast du doch sicher noch ein schönes Dessert für mich, oder? Vanillieeis mit heißen Himbeeren wären schön.«
Er zwinkerte und verließ die Küche – bevor er doch noch die Beherrschung verlor.

TBC

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