Christian Bold – Eine Weihnachtsgeschichte (Teil 8)

CB_Cover 600xNachdem Teil 7 gestern doch einen leicht bitteren Nachgeschmack hinterlassen hat, habe ich heute ein etwas emotionaleres und letzten Endes schöneres Kapitel für euch 😉 Es hat sich eine Weile gezogen und ich glaube, dass Chris sich auf diese Weise für meine Grausamkeit rechen wollte. Aber hey, vielleicht begreift auch er bald, dass das hier eine Weihnachtsgeschichte ist und ich weder ihn noch meine Leser mit einem Sad-End quälen werde. Viel Spaß!

Hier geht’s zum ANFANG der Geschichte.

Christian Bold: Teil 8
Gestohlenes Herz

Am nächsten Tag fühlte Christian sich wie gerädert. Alles tat ihm weh und in seinem Kopf hatte sich ein stetig wachsendes Brummen eingenistet. Er konnte kaum einen klaren Gedanken fassen.
Nachdem er nach Hause gekommen war, hatte er sich nur noch ins Bett gelegt und bis zum Mittag durchgeschlafen. Jetzt lag er flach auf dem Rücken im Bett, starrte an die Decke und klammerte sich an einen einzigen, alles beherrschenden Gedanken: Kaffee!
Der liebliche Duft, das herbe Aroma – dazu frische Luft am Küchenfenster und die erste Zigarette nach dem Aufwachen.
Aber dieser einfache Gedanke reichte nicht, um ihn aus den Laken zu zerren. Stattdessen mischte sich ständig das leise Singen kleiner Glöckchen unter das Brummen in seinem Kopf. Und als er sich vorstellte, wie der Kaffee – wenn er ihn denn endlich in Händen hielte – wohl schmecken würde, schmeckte er nicht nach Kaffee, sondern nach eine Mischung aus gebratener Ente und salzigem Schweiß. Das Küchenfenster war nicht sein eigenes und auf den orange-braunen Fliesen, die es in seiner Küche gar nicht gab, kniete ein nacktes Weihnachtsgeschenk. Verpackt mit einem schwarzen Satinband.
Kaffee!
Als Christian sich endlich aufraffen konnte, verschwand auch allmählich der Schmerz aus seinen Muskeln. Hätte ihn auch gewundert … Immerhin war er gut trainiert und SO anstrengend war die letzte Nacht mit Frank und Joshua nun auch nicht gewesen. Trotzdem war er erschöpft. Schlapp. Müde.
Deprimiert.
Er schlurfte nackt in die Küche und machte sich mit halboffenen Augen an der Kaffeemaschine zu schaffen. Ein Extralöffel von dem braunen Pulver würde auch das Brummen in seinem Schädel auf ein Minimum reduzieren. Hoffentlich.
Während er sich an den Küchentisch setzte und eine Zigarette aus der Schachtel fischte, wurde ihm klar, woran sein Zustand ihn erinnerte. Er war völlig verkatert. Dabei hatte er gestern gar nichts getrunken – der eine Becher Met zählte wohl kaum.
Nein, er hatte eine Überdosis Joshua im Blut und das war viel schlimmer!
Erst nach einer ganzen Kanne Kaffee, einer halben Schachtel Zigaretten und einer langen Dusche fühlte Christian sich wieder halbwegs menschlich. Das Brummen aus seinem Kopf war verschwunden, was den Nachteil hatte, dass er das imaginäre Klingeln der Glöckchen jetzt noch lauter hörte. Aber er ignorierte es, so gut er eben konnte, zog sich an und verließ schließlich das Appartement.
Frische Luft, neue Zigaretten und vor allem etwas zu Essen. Mit leerem Magen verdrängten sich Gefühlsverirrungen nicht so leicht, denn etwas anderes konnte es nicht sein, worunter er gerade litt. Er war noch nie verliebt gewesen und er hatte nicht vor, jetzt damit anzufangen. Schon gar nicht bei dem Partner eines anderen Mannes!
Josh machte es ihm dabei nicht leicht, denn ständig musste Chris daran denken, wie der Kleine ihn angefleht hatte, nicht zu gehen. Bei ihm zu bleiben. Er dachte daran, dass Josh nicht hundertprozentig glücklich in seiner Beziehung war und fragte sich, ob er dem jungen Mann das fehlende Glück schenken könnte.
Und dann erinnerte ihn die strenge Stimme der Vernunft daran, dass es nicht seine Aufgabe war! Es war Franks Aufgabe, sich um das Glück seines Freundes zu kümmern. Und die beiden mussten das unter sich klären. Ohne ihn!
Die belegten Brötchen in seinem Lieblingscafé schmeckten nicht. Trotzdem zwang er sich zwei davon runter, spülte mit Kaffee hinterher und überlegte anschließend, wie er die letzte Nacht aus seinem Kopf bekommen sollte.
Verdrängung war gut, aber bis jetzt sehr erfolglos verlaufen. Alkohol und Sex – die harten Geschütze. Ein vorfreudiges Kribbeln machte sich in seinem Bauch breit, als er beschloss, dass er heute einfach in den Club gehen würde. Das war ein guter Plan. Dort waren seines Wissens nach zwar alle halbnackten Kellner in rot-weiße Kostüme gekleidet und ebenfalls vom Weihnachtsfeeling umgeben, aber vielleicht fand er dort ja … seinen ganz persönlichen Weihnachtself.
Gerade als das Café hochmotiviert wieder verließ und den Weg zum Einkaufen einschlug, klingelte sein Handy. Sein Herz machte einen verräterischen Sprung und im selben Augenblick ärgerte er sich über sich selbst.
Es war nicht der unlogischerweise erhoffte Anruf, sondern ein befreundeter Anwalt.
»Hey John«, meldete er sich bemüht lässig.
»Frohe Weihnachten«, trällerte es ihm aus dem Hörer entgegen. Chris verzog den Mund. Sonst war John doch auch ein Weihnachtsmuffel. Aber die Erklärung für seine gute Laune folgte sofort: »Wie war deine Nacht?«
»Du weißt doch«, brummte Chris und schlängelte sich zwischen ein paar Passanten hindurch. »Der Gentleman genießt und schweigt.«
»Ja, weiß ich. Also? Wie war deine Nacht?«
Jetzt musste Chris widerwillig lachen. »Ich bin ein Gentleman.«
»Seit wann?«, fragte John erstaunt. »Komm schon. Mein Weihnachten ist schrecklich langweilig dieses Jahr. Befriedige meine Neugier.«
»Du bist ekelhaft gut drauf.«
»Und du erstaunlich schlecht. Was ist passiert?«
Diese Neugier passte überhaupt nicht zu John. Er drängte sich eigentlich nie auf. Allerdings hatte der Anwalt auch ein hervorragendes Gespür für Probleme und wahrscheinlich hatten bei ihm schon letzte Nacht die Alarmglocken geläutet. John hatte einfach den richtigen Riecher und wusste, wenn jemand einen Freund brauchte – selbst wenn dieser Jemand sich krampfhaft dagegen wehrte.
»Es war toll. Ist gut gelaufen.«
»Und?«, fragte John und zog das Wort in die Länge.
»Nichts und. Es ist gut gelaufen, wir hatten alle unseren Spaß und Joshua ist der Wahnsinn. Punkt.«
Einen Moment herrschte Stille. Hatte er so patzig geklungen, wie die Worte im Abklang schmeckten? Offenbar, denn John gab auf – was noch weniger zu ihm passte als die Neugier.
»Na schön. Und sonst so? Was machst du heute Abend?«
»Ich gehe auf Elfenschau.« Chris grinste zufrieden. Ja, das würde er tun und dann war er spätestens morgen wieder der Alte.
»Ich habe gehofft, dass du das sagst. Sehen wir uns im Club?«
»Keine Familienfeiern heute?«
»Um Himmels Willen, nein! Ich hab’s nicht so mit Weihnachten. Weißt du doch.«
»Dann sehen wir uns heute Abend, klar. Ich werde ab acht da sein, schätze ich.« Chris warf einen Blick auf die Uhr und nickte zur Bestätigung noch einmal, obwohl er wusste, dass John das nicht sehen konnte. Es war bereits Nachmittag. Einkaufen, ein anständiges Abendessen und noch ein Stündchen Schlaf. Dann wäre er bereit für einen elfenreichen Abend im Szeneclub.

Hochmotiviert und fest entschlossen, seine Pläne in die Tat umzusetzen, betrat Chris um punkt acht Uhr den Club. Er war zu so was wie seinem zweiten Zuhause geworden und jedes Mal, wenn er das düstere und gemütlich anmutende Foyer betrat, fühlte er sich in seinem Element. Hier war er Master Chris. Ein Mann, der immer alleine auftauchte. Ein Mann, der bekannt für seine Flatterhaftigkeit und den guten Sex war. Ein Mann, der immer auf der Suche war und nicht selten von Paaren angesprochen wurde. Aber heute wollte er kein Pärchen dazu verleiten, ihn mit zunehmen. Heute wollte er ein Sub für sich alleine finden. Vielleicht einen, der die Chance auf mehr als nur eine Nacht bekam.
Denn das war das einzige, was aus dem Erlebnis mit Frank und Josh noch in ihm haftete: Der Wunsch nach einem Partner. Noch nie war er so groß gewesen wie heute. Vielleicht war es endlich an der Zeit, dass er sich nach etwas »Ernsthaftem« umsah.
Als er sich an die Bar setzte und einen Scotch bestellte, schob sich jemand auf den Hocker neben ihm. John.
Der Anwalt klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter, bestellte sich beim Barkeeper denselben Drink und wandte sich dann um, damit er sich an den Tresen lehnen und die anderen Gäste beobachten konnte.
»Geht’s dir besser?«, fragte er, ohne Chris dabei anzusehen.
»Du bist eine Plage, weißt du das?«
»Ja, weiß ich.« John grinste ihm freundlich entgegen. »Aber deine schlechte Laune war am Telefon überdeutlich rauszuhören.«
»Ja, es geht mir wieder besser. Die Nacht hat saß mir noch in den Knochen, schätze ich.«
Sie bekamen ihre Drinks und nach dem ersten Schluck wandte auch Chris sich dem langsam voller werdenden Raum zu. Auf den niedrigen Tischen standen kleine Weihnachtsgestecke. Tannen schmückten die Möbel und ausnahmslos jeder angestellte trug eine Weihnachtsmütze mit Blinklichtern. In Kombination mit den engen roten Hotpants und weißen Plüschbommeln hatten sogar diese Mützen ihren Reiz. Und nirgends tauchte schwarzer Satin auf. Das war gut.
»Wie geht es Frank? Ich habe ihn lange nicht mehr gesehen.«
»Ganz gut soweit. Er hat viel Arbeit gehabt in den letzten Wochen. Und er ist glücklich mit Joshua.«
»Wie ist der Kleine?« Wieder schwang diese Neugier aus Johns Stimme mit und Chris warf ihm einen finsteren Blick zu.
»Komm schon!«, empörte sich der Anwalt. »Ich habe ihn nie kennengelernt. Frank bringt ihn ja nicht mit, wenn er mal hier auftaucht. Ich will nur wissen, was er für einer ist. Man nennt das ›Konversation‹.«
Chris unterdrückte ein Seufzen. »Er ist nett. Sehr selbstbewusst und gleichermaßen interessant wie normal.«
»Interessant und normal?«
»Ja. Ich habe ihn eigentlich für einen ganz normalen jungen Mann mit Vorliebe für Fesselspielchen gehalten«, erklärte Chris unbedacht. »Aber dann hat er völlig schamlos beim Essen die Hüllen fallen lassen und mir seine gepiercte Rückseite präsentiert. Das war schon … interessant.«
John lachte. »Eine gepiercte Rückseite? Was darf ich mir darunter vorstellen?«
Chris verfiel in einen träumerischen Zustand, dem er sich einfach hingeben musste, und berichtete umstandslos von der Schönheit des Subs, den er letzte Nacht vernascht hatte. Auch von dem Satinband, das er mitgebracht und durch die goldenen Ringe geflochten hatte.
»Du glaubst gar nicht, wie angenehm die Weihnachtsstimmung wird, wenn du einen Sub wie ihn vor dir knien hast und bei jeder seiner Bewegungen dieses leise Glockenspiel zu hören ist.«
»Wow!« John nahm einen Schluck. »Er hat es dir richtig angetan!«
Sofort kehrte Chris aus seiner Schwärmerei zurück und funkelte seinen Freund wütend an. »So ein Unsinn! Hat er nicht.«
Dämliche Lüge! Aber er hatte es in den vergangenen Stunden erfolgreich geschafft, Josh in einen hinteren Winkel seines Bewusstseins zu verbannen und dort sollte er gefälligst auch bleiben.
»Themenwechsel«, murrte er und leerte sein Glas in einem Zug. »Für dich jemand in Aussicht?«
Er wusste, dass das ein wunder Punkt bei John war und nutzte ihn nur reichlich selten. Aber in Momenten wie diesen, war es nur fair.
»Themenwechsel gefällt mir«, knurrte John zurück und sie wandten sich beide wieder dem Raum zu.
Nach ein paar schweigsam verbrachten Minuten wurden sie beide wieder lockerer und schließlich setzten sie sich mit einem zweiten Drink an einen der dekorierten Tische und unterhielten sich über belangloses. Chris sah sich dabei ständig nach einem potenziellen Opfer um. Dabei musste er feststellen, dass die Weihnachtszeit vielleicht nicht optimal war, um jemanden abzuschleppen. Es war viel weniger los als normalerweise an einem Freitagabend und diejenigen, die kamen, kamen in Begleitung.
»Wieso komme ich eigentlich immer wieder hier her?«, fragte er nachdenklich. »Der Club ist nicht gerade die ideale Aufreißerzone, oder?«
John betrachtete ihn erstaunt und zog die Brauen hoch. »Das ist aber neu.«
»Kann sein.« Chris wunderte sich über sich selbst und schüttelte dann resigniert den Kopf. »Ich hasse Weihnachten.«
Damit erhob er sich und leerte sein Glas ein weiteres Mal. »Entschuldige mich kurz, ja? Ich werde mich mal oben umsehen.«
Oben gab es Spielzimmer und einen weiteren Tanzbereich. Zwar war er ziemlich sicher, dass dort noch weniger los war, als hier unten, aber einen Versuch war es schließlich wert. John nickte seine Entscheidung nur schweigend ab und sah ihm nach, während Chris sein Glas auf dem Tresen abstellte und sich auf den Weg nach oben machte.
Er behielt recht, was die Auswahl anging. Hier waren tatsächlich nur Paare zu finden. Natürlich … Was sollte ein einsamer Sub auch in einem der Spielzimmer tun? Und wenn sie diese Zimmer alleine betraten, dann blieben sie nicht lange alleine.
Gerade als er sich wieder auf den Weg nach unten machen und den Abend beenden wollte, stellte sich ihm ein junger Weihnachtself mit spitzen Ohren und grünen Pants in den Weg. Kurzes, blondes Haar, blaue Augen und eine gute Figur. Er war alleine und trug anstelle eines Halsbands eine Lederkette, die er sich mehrfach um den schlanken Hals gewickelt und mit einem Engelsanhänger verziert hatte.
»Ihr guckt schon den ganzen Abend so traurig, Master Chris«, sagte er und sah fragend zu ihm empor. Chris brauchte einen Moment, um den Mann als einen der Tänzer zu erkennen, die vorhin unter künstlichem Schnee in einem der Hängekäfige getanzt hatte.
»Tu ich das?« Chris straffte seine Haltung und setzte ein amüsiertes Grinsen auf. »Du hast mich beobachtet?«
»Das tue ich eigentlich immer, wenn ich Euch hier sehe.« Eine feine Röte legte sich auf die blassen Wangen und der Elf senkte den Blick. Chris betrachtete ihn eingehend. Wenn man die Suche aufgab, dann schickte der Zufall einem einen Engel.
»Und wieso tust du das?«, fragte er und verschränkte die Arme vor der Brust.
»Nun, ich … ich mag Euch.«
Chris schnaubte in gespielter Verachtung. »Wir haben noch nie ein Wort miteinander gewechselt. Wie kommst du auf den Gedanken, mich zu mögen?«
Jetzt lief der junge Mann knallrot an und schluckte heftig. Niedlich.
»Ich … Ich …«, stotterte der Blonde und sah sich hilflos im Flur um.
»Du?« Chris trat näher und der Elf sah wieder zu ihm auf. Die blauen Augen schimmerten erwartungsvoll. Sie waren zu hell. Sofort vertrieb Chris den Gedanken wieder und hob eine Hand. Er befingerte nachdenklich den silbernen Engel, der an dem Lederband hing und lächelte schließlich leicht.
»Das Kennenlernen verschieben wir vielleicht, hm?«, fragte er und sah wieder in die Augen des Subs. »Seit wann dürfen die Angestellten die Gäste anbaggern?«
»Ich .. Ich bin kein Angestellter«, gestand der Elf. »Ich hatte nur den einen Auftritt vorhin. Bin für einen Freund eingesprungen.«
Chris nickte verstehend. »Wie heißt du?«
»K-Kevin.« Er war die Nervosität in Person. Normalerweise genoss Chris diese Hilflosigkeit und dass Kevin trotzdem den Mut gefunden hatte, ihn anzusprechen, sprach eindeutig für ihn. Trotzdem nervte ihn das Gestotter heute etwas.
»Okay, Kevin«, sagte er und zog die Hand zurück. »Ich will, dass du den Mund hältst und dich aufs Nicken und Kopfschütteln reduzierst. Verstanden?«
Ein Nicken.
»Hast du einen Partner? Einen Dom?«
Ein Kopfschütteln.
»Hattest du mal einen?«
Noch ein Kopfschütteln. Na super, ein Anfänger.
Kevin öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber Chris fuhr ihm sofort dazwischen: »Mund halten, habe ich gesagt.«
Er trat neben den Elfen und deutet in Richtung Treppe. »Du darfst jetzt gehen«, sagte er und deutete auf eine der offenstehenden Türen, »oder mit mir dieses Zimmer betreten. Deine Entscheidung.«
Kevin sah von der Treppe zum Zimmer und wieder zurück, dann sah er Christian an, der nur dastand und auf die Entscheidung wartete. Eigentlich gab es gar keine. Wenn der Kerl auch nur ein Fünkchen Verstand besaß, dann stellte er jetzt Bedingungen oder ging. Mit einem Fremden in eines der Zimmer zu gehen, ohne vorher ein paar Dinge klarzustellen, war …
Kevin setzte sich in Bewegung und Chris hob die Brauen, als der Elf tatsächlich auf die offene Tür zusteuerte. Okay … das war Interessant. Aufmerksam betrachtete er den nackten Rücken. Weiche, blasse Haut lockte zum Anfassen. Ein spannendes Muskelspiel zeichnete sich bei jedem Schritt ab. Kevin war nicht übermäßig kräftig, aber er machte Sport, das sah man gleich. Und doch fehlte etwas …
Tausche silbernen Engels-Anhänger gegen goldene Ringe, dachte Chris und schüttelte über sich selbst den Kopf. Er wartete, bis Kevin den Raum tatsächlich betrat, dann folgte er ihm und schloss langsam die Tür hinter ihnen. In diesem Zimmer gab es nur eine Reihe LED-Kerzen, spärliche Weihnachtsdekoration und einen großen Futon auf dem Boden. An den Wänden hingen Stoffe hinunter und in einer Ecke stand ein Sessel. Chris betrachtete die Stoffbahnen und riss den Blick dann schleunigst wieder los.
»Du wirst mich in Stimmung bringen müssen«, sagte er und trat auf Kevin zu. »Wie du schon richtig erkannt hast, bin ich heute nicht so gut drauf.«
Kevin stand unsicher im Raum, sah sich um und kam dann ebenfalls auf ihn zu. Chris versuchte, sich auf den schönen Körper zu konzentrieren, sich vorzustellen, wie die weiche Haut sich unter seinen Lippen anfühlen würde. Als Kevin direkt vor ihm stand, hob er die Hand fuhr mit den Fingern über eines der Schlüsselbeine seines Gegenübers.
»Wenn du genug hast, sag stopp.«
Kevin nickte und hob den Blick. Chris schob die Finger in das Lederband, packte zu und drängte den Blonden Richtung Boden. »Hinknien!«
Kevin keuchte und ließ sich dirigieren. Einen Moment stand Chris einfach nur da, sah auf den blonden Schopf hinunter und dachte an die schwarzen Haare, durch die er jetzt viel lieber streicheln wollte. Er dachte an Joshuas bezaubernden Rücken und die dunkelblauen Augen. An die schlanken Beine, die sich um ihn schlangen, und die schmalen Hüften, die sich so geschickt auf seinem Schoß bewegten.
Mit einem dunklen Grollen zog er ein Kondom aus der Tasche und warf es Kevin in den Schoß. Dann öffnete er seine Hose. Den fragenden Blick erwiderte er mit ungeduldiger Schärfe.
»Brauchst du eine Anleitung?«, fragte er zuckersüß. Kevin schüttelte hastig den Kopf. Auch seine Pants spannten inzwischen heftig. Der Anblick ließ Chris wieder an den vor Lust tropfenden Schwanz seines letzten Sexpartners denken. Zumindest half diese Erinnerung, seine eigene Erregung ins unermessliche zu steigern.
Er sah zu, wie Kevin ihm das Kondom überrollte und sich dann etwas zögerlich mit Zunge und Lippen über ihn hermachte. Der Anblick reizte Chris nicht im Geringsten.
Er schloss die Augen und ließ den Kopf in den Nacken sinken. Warme, braune Haut. Goldener Schmuck. Helles Stöhnen. Ein freches Grinsen. Erst kraulte durch das viel zu kurze Haar des Mannes, der sich immer inniger um seinen Schwanz kümmerte und ließ ein wohliges Seufzen hören.
Fuck, Joshua, was hast du mir angetan?
Er schlug die Augen wieder auf und starrte an die Decke. Auch dort waren Stoffbahnen fixiert worden. Matt schimmernder, schwarzer Satin.
Das konnte doch alles nicht mehr angehen!
Seine Finger krallten sich in das blonde Haar, er sah hinunter und seine mühsam aufgebaute Lust verwandelte sich in Wut. Mit sanfter Gewalt zerrte er Kevin von sich und trat zurück.
»Sorry, Kleiner«, sagte er und zog das Kondom wieder ab. »Aber du bist nicht der richtige Elf …«
Kevin starrte ihn entgeistert an, aber Christians Laune verbesserte sich schlagartig. Nein, Kevin war nicht der richtige Elf für diese Nacht. Für keine Nacht. Joshua war der einzige, den er wollte. Und, verflucht noch mal, er sollte verdammt sein, wenn er sich selber das Herz herausriss, nur um kein Drama heraufzubeschwören!
Er schloss seine Hose, zog Kevin wieder auf die Füße und schenkte ihm einen kurzen, aber innigen Kuss. »Danke, Kevin.«
Damit wandte er sich ab und nahm auf dem Weg nach unten gleich zwei Stufen auf einmal.
»Hey!« John stellte sich ihm in den Weg. »Wo willst du denn so übereilt hin?«
Chris zögerte, dann grinste er so breit wie den ganzen Tag noch nicht. »Meinem Herzen folgen.«

TBC
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