„Das Skorpionenhaus“ von Nancy Farmer

oder: „Es steckt so viel mehr zwischen zwei Buchdeckeln, als das Auge wahrnehmen kann.“

2014-12-29 19.06.13

Matt ist ein Klon. In Nancy Farmers erschreckender Zukunftsvision werden Menschen durch Implantate zu Arbeitsmaschinen umfunktioniert, Klone dienen als Organ-Ersatzteillager. Matts genetischer Vater ist der mächtige Drogenbaron El Patrón. Als dessen Herz schwächer wird, geht es um Matts Leben. Die Autorin hat einen charismatischen, verletzlichen Helden geschaffen – und einen atemberaubenden Science-Fiction-Roman über Freundschaft und Verlust, Menschenwürde und Verantwortung.

Manchmal stelle ich mich mitten ins Zimmer und betrachte meine Büchersammlung. Dann gleitet mein Blick über die Buchrücken, die mich horizontal und vertikal umgeben und die Geschichten „flüstern“ mir entgegen. Eben stand ich wieder so zwischen den Regalen und ich musste wieder an Tintenherz denken. Cornelia Funke beschreibt es sehr gut: Zwischen zwei Buchdeckeln findet sich mehr, als nur die Geschichte, die der Autor mit uns teilen will. Wenn du ein Buch das erste Mal aufschlägst, dann vermag es zu zaubern. Es fesselt dich und den Moment, in dem du es zum ersten Mal gelesen hast. Schlägst du es dann Monate oder Jahre später erneut auf, findest du mehr zwischen den Seiten, als „nur“ die Geschichte, die du bereits gelesen hast.

Das Buch hat es geschafft, Erinnerungen festzuhalten. Plötzlich bist du wieder an dem Tag, an dem du es zum ersten Mal aufgeschlagen hast. Du riechst das Gras, auf dem du gesessen hast oder schmeckst das Eis, dass du damals gegessen hast. Du erinnerst dich zurück an die Zeit deines Lebens, die sich inzwischen vielleicht schon geändert hat. An bestimmte Situationen, mit denen du damals konfrontiert warst.

„Das Skorpionenhaus“ ist für mich eines dieser Bücher. Es ist schon Jahre her, dass ich es gelesen habe und ich erinnere mich kaum noch an die Geschichte. Nur wenige Dinge sind hängen geblieben. Sägespäne und Zeitraffer. Tattoos und die Grausamkeit der Menschen. Solche Details. Woran ich aber jedes Mal, wenn ich das Buch auch nur ansehe, als erstes denken muss, ist die Schaukel am Kastanienbaum im Garten meiner Mutter. Denn darauf habe ich einmal gesessen, während ich dieses Buch las. Ich erinnere mich, wie Familie und Bekannte wenige Meter entfernt auf der Terasse saßen und ich höre noch immer ihre Stimmen, während ich mich in Matts Welt fallen lasse.

Das ist der Zauber von Büchern. Ein Zauber, den ich in den nächsten Tagen auskosten möchte. Stellt euch mal vor eure Bücherregale, betrachtet die Bücher, schwelgt in Erinnerungen. Ihr werdet überrascht sein …

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2 Gedanken zu “„Das Skorpionenhaus“ von Nancy Farmer

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