Christian Bold – Eine Weihnachtsgeschichte (Teil 1)

CB_Cover 600xHier ist er nun, der erste Teil meiner Weihnachtsgeschichte für dieses Jahr!
Direkt im Blog lesen, nicht klauen und Rechtschreibfehler behalten. Die Geschichte ist unlektoriert und ihr bekommt sie, wie sie mir aus den Fingern fließt 😉
Kommentare sind immer gerne gesehen und jetzt: Viel Spaß!
(Leseempfehlung: 18+)

Christian Bold: Teil 1
Zweifelhafter Weihnachtswunsch

Als Christian seinen Wagen auf einen der schmalen Parkplätze abgestellt hatte, kontrollierte er noch einmal die Adresse. Der Gasthof war ein eigenartiger Ort für ein Fotoshooting. Aber scheinbar war er hier richtig. Er zuckte mit Schultern, schaltete das Navigationsgerät aus und verstaute es im Handschuhfach. Dann schnappte er sich seine Tasche und schlängelte sich elegant aus dem Auto, wobei er aufpassen musste, dass die Fahrertür seines SUVs keine Kratzer in dem schwarzen Audi hinterließ.
Neugierig sah er sich um. Der Gasthof lag abseits der Stadt in einem beschaulichen Landstück. Umgeben von Feldern und kleinen Waldstücken. Traumhaft, wenn auch abgelegen. Und das Haus selbst?
Er zog den Reißverschluss seines Mantels ganz zu und verriegelte den Wagen, dann nahm er das alte Gebäude in Augenschein. Die doppelten Fenster waren kitschig dekoriert und weiße Spitzenvorhänge verhinderten, dass man einen Blick hineinwerfen konnte. Das Reetdach wurde zu dieser frühen Stunde noch von feinem Frost überzogen, genau wie der kleine Vorgarten. Buchsbäume und leere Blumenbeete boten einen fast schon traurigen Anblick. Die Vogeltränke war zugefroren. Trotzdem verströmte das Haus eine unerklärliche Gemütlichkeit, die ihm ein schmales Lächeln auf die Lippen zauberte.
Er schulterte seine Tasche und ging den schmalen Kiesweg empor zur Tür. Als er sich näherte, hörte er das Treiben im Inneren des Hauses bereits. Ohne sich mit der Klingel oder einem Klopfen, das eh niemand hören würde, aufzuhalten, öffnete er die Tür und trat in den herrlich warmen Eingangsbereich.
»Guten Morgen, Sir. Sie sind?«, wurde er von einer jungen Frau in rotem Kleid begrüßt. Sie lächelte ihm charmant entgegen und hielt ein Klemmbrett hoch. Auf ihrem blonden Haar thronte eine leuchtende Weihnachtsmütze.
»Christian Bold«, stellte er sich vor und wollte schon nach seinem Ausweis suchen, als der Fotograf ihn entdeckte und auf sie zukam.
»Chris«, trällerte er erfreut. »Da bist du ja. Hast du dich verfahren?«
Frank schloss ihn überschwänglich in die Arme und strahlte ihn dann an.
»Nein. Verschlafen«, gestand Chris und grinste schief. Er sah sich um, kaum dass Frank ihn aus der Umarmung entließ und entdeckte einen gedeckten Tisch mit belegten Brötchen und – was viel wichtiger war – Kaffee!
»Hätte ich mir denken können«, kommentierte Frank. Er folgte ihm zum Buffet und schenkte ihm einen Kaffee ein, während Chris sich aus seinem Mantel befreite. Hier drin war es erschreckend warm, was mit Sicherheit nicht nur an dem großen Kamin lag, in dem ein Feuer prasselte. Und tatsächlich, als Chris sich noch einmal umsah, entdeckte er zwischen den anderen Modellen elektrische Heizlüfter. Er unterdrückte ein Grinsen. Klar, sie sollten alle ihre Hüllen fallen lassen, da musste es schön kuschelig warm sein.
»Aber trink deinen Kaffee noch in Ruhe aus, wir haben da drüben ein paar Probleme mit den weiblichen Modellen.« Frank rollte mit den Augen. »Es wird in letzter Minute diskutiert, wer was anziehen darf.«
»Du bist der Fotograf«, bemerkte Chris. »Sprich ein Machtwort. Das kannst du doch Zuhause auch.«
Frank lachte und zuckte mit den Schultern. »Ich bin nicht gut im Umgang mit Frauen. Ich versteh einfach nicht, wie die ticken.«
In dem Augenblick wurde schon wieder nach ihm gerufen und Frank entschuldigte sich knapp. Chris sah ihm nach, bis er in einen angrenzenden Raum verschwand. Normalerweise wahrscheinlich das große Esszimmer. Heute würde dort ihr Shooting stattfinden.
Chris ließ zu, dass die Frau vom Eingang, die sich als Bella vorstellte, seinen Mantel mitnahm, bestand aber darauf, seine Tasche selber mit nach oben zu nehmen. Sie drückte ihm einen Schlüssel mit der Nummer 7 in die Hand und verschwand wieder.
Den Rest seiner Kaffeezeit verbrachte Chris damit, sich einen Überblick zu verschaffen. Modelle und Stylisten wuselten umher. Hier und da wurde diskutiert und schließlich entdeckte er auch das andere, männliche Model. Kamal kannte er schon von anderen Shootings. Sie standen nicht das erste Mal zusammen vor der Kamera und so winkte er ihm fröhlich zu. Der Afroamerikaner trug bereits sein Outfit – rote Shorts, die einladend flauschig aussahen und mit weißem Plüsch besetzt waren. Dazu eine Weihnachtsmütze aus demselben Material. Chris beobachtete ihn über den Rand seiner Tasse hinweg und seufzte wehmütig. Das Muskelpaket war wirklich ein berauschender Anblick und er kam nicht umhin, ihn mit einem Schokoladenweihnachtsmann zu vergleichen. Er liebte Schokoladenweihnachtsmänner. Aber Kamal fiel nicht ernsthaft in sein Beuteschema und selbst wenn … dieser Prachtkerl hatte all das Interesse an Frauen, das ihm selbst fehlte. Was für ein Verlust für die schwule Männerwelt.
»Chris! Da bist du ja!« Kamal kam zu ihm und nahm sich ebenfalls noch einen Kaffee. »Ich hatte schon Angst, du lässt mich hier mit den Mädels alleine.«
»Niemals«, zwinkerte Chris. »Das hättest du wohl gerne, was?«
»Sicher nicht.« Kamal lachte. »Die sind heute wirklich anstrengend. Aber vielleicht bekommst du sie ja gebändigt.«
»Das sagst du nur, weil du genau weißt, dass ich keine Konkurrenz für dich bin.«
»Kann schon sein.« Dieses Mal zwinkerte Kamal ihm zu, dann verschwand er mit seinem Kaffee wieder im Speisesaal. Chris hörte ihn laut von seiner Ankunft berichten und kippte sofort den Rest seines Kaffees hinunter. Jetzt galt es, sich fertig zu machen.
Das Umziehen dauerte nur wenige Minuten. Sein Styling im Anschluss nahm hingegen fast eine Stunde in Anspruch. Er wusste schon, wieso er sich Zuhause nicht lange damit aufgehalten hatte, seine straßenköterblonden Haare in Form zu bringen. Man hätte sich nur wieder darüber beschwert, dass er Gel in den Haaren hatte, das sie ohnehin wieder herauswaschen und ersetzen würden.
Gemeinsam mit Kamal ließ er sich schließlich einölen, sodass sie beide glänzten wie Weihnachtskugeln. Inzwischen hatte sich der Zickenterror ihrer weiblichen Kolleginnen gelegt, alle waren umgezogen und während die letzten Feinheiten an den Modellen vorgenommen wurden, verkündete Frank den Ablauf des heutigen Tages.
Den Vormittag würden sie im Haus verbringen und Bilder vor dem Kamin und einem Weihnachtsbaum schießen. Nach dem Mittag ging es dann an die Schneebilder, auf die Chris sich nicht wirklich freute. Im Gegensatz zu Jenny, einer blonden Schönheit in rotem Satin, machte er deswegen allerdings keinen Aufstand. Und auch sie hielt die Klappe, als Frank ihr barsch verkündete, dass sie den Job ja nicht durchziehen müsse, wenn sie sich zu fein dafür wäre.
Frank konnte durchgreifen, wenn er wollte. Einmal mehr fragte Chris sich, wie ein Mann, der privat die Dominanz in Person war, in seinem Job so nachlässig sein konnte, was das Herumkommandieren anging. Auf der anderen Seite war es bei ihm doch eigentlich genauso. Solange er als Model arbeitete, fügte er sich widerstandslos den Anweisungen von Fotografen und Regisseuren. Außerhalb dieses Jobs ließ er sich nichts sagen.

Der Vormittag verlief erstaunlich reibungslos. Die ersten beiden Stunden wurden sie alle zusammen abgelichtet. Dann folgte Kamal mit seinen Ladys. Danach Chris mit derselben Anzahl Frauen, die sich begierig an seinen nackten Körper pressten. Anschließend ein paar Bilder, aus denen Kamal und er sich ganz heraushielten und schließlich standen sie alleine vor der Kamera. Kamal gab sich ebenso professionell wie er selbst und sie wussten beide, dass die erotische Nähe enden würde, sobald das Blitzlicht sich wieder einstellte.
»Pause!«, rief Frank schließlich erschöpft und fummelte die Speicherkarte aus seiner Kamera. Chris warf sich den Satinmantel über, den Bella ihm reichte und grinste Kamal an.
»Du hast trainiert«, stellte er sachlich fest. »Gibt’s nen neuen Job oder ne neue Frau?«
»Ich hoffe auf letzteres«, lachte Kamal und hüllte sich ebenfalls in einen der leichten Mäntel. Sie dienten ausschließlich dazu, ihre Blöße etwas zu bedecken. Mehr war in der Hitze, die hier inzwischen herrschte auch nicht nötig.
»Ich drück die Daumen. Aus der Branche oder ist mit Eifersüchteleien zu rechnen?«
»Fotografin.« Kamals grinste sein breites Grinsen und wirkte überglücklich. Fotografin war gut. Sie würde ihn ablichten, er konnte seinen Job weiter machen und seine Freundin würde um die Unterschiede zwischen Shootings und Privatleben kennen.
»Dann drücke ich noch fester«, sagte Chris. Dann machten sie sich auf den Weg zum Buffet, das – wie nicht anders zu erwarten – recht spärlich besucht war. Ihre Kolleginnen würden sich hüten in der Öffentlichkeit eines Fototermins etwas anderes als ihre Diätdrinks zu sich zu nehmen und der Rest der Belegschaft hatte sich bereits bedient. Außer Frank. Der saß in einer Ecke an seinem Computer, kopierte die Bilder und nahm die erste Sichtung vor.
»Ich werde dem Boss mal was zu Essen bringen.« Chris lud etwas von dem Eintopf in eine zweite Schüssel und legte Brot dazu. »Wie ich ihn kenne, wird er sonst den ganzen Tag nichts essen.«
Kamal gesellte sich zu den anderen Modellen und genoss augenscheinlich die Aufmerksamkeit der Frauen. Kopfschüttelnd machte Chris sich auf den Weg zu Frank und setzte sich schließlich neben ihn.
»Essen fassen«, sagte er und hielt dem Fotografen seine Schüssel hin. Frank nickte dankbar und lehnte sich zurück. Er öffnete kurz den Mund, schloss ihn dann wieder und schüttelte minimal den Kopf. Irgendetwas lag ihm auf dem Herzen.
»Was ist los?«, fragte Chris. Seine Neugier war grenzenlos und Frank wusste das. Allerdings sah der Deutsche sich nur kurz im vollen Zimmer um und schüttelte dann wieder den Kopf.
»Okay … Dann geh mit mir eine rauchen. Ich habe meine Kippen vergessen.«
Frank taxierte ihn prüfend, nickte aber. »Du lässt ja doch nicht locker.«
»Nopes.« Grinsend löffelte Chris seine Suppe leer und verputzte das dazugehörige Brot. Als auch Frank fertig war, brachte er die Schüsseln zurück und nachdem er sich seinen Wintermantel von Bella hatte bringen lassen und in seine Schuhe geschlüpft war, verließen er und Frank das Haus nach hinten. Auch hier stand ein Heizstrahler auf der Terrasse, vor dem Chris sich nun positionierte.
Frank hielt ihm die Zigarettenschachtel hin und Chris bediente sich.
»Also?«, fragte er, nachdem sie beide ihren ersten Zug genommen hatten. »Was liegt dir auf der Seele?«
»Joshua«, antwortete Frank unruhig. Er nahm noch einen Zug von seiner Zigarette.
»Dein Subbie? Was ist mit ihm?«
»Er hat … einen etwas zweifelhaften Weihnachtswunsch geäußert.«
Chris zog die Brauen hoch. Zweifelhafte Weihnachtswünsche in einer SM-Beziehung? Wo gab es denn so was?
»Will er mal den Top machen?«, grinste Chris. Das war das einzige, was ihm als zweifelhaft einfallen wollte. In ihrer Szene kamen schon mal skurrile Wünsche zu Tage, aber in der Regel gab es doch nichts schöneres, als diese Wünsche zu erfüllen und mehr Abwechslung in den Alltag zu holen.
»Nein. Das wäre wirklich eigenartig.« Frank lachte. »Du hast ihn nie kennengelernt, oder? Er ist das geborene Subbie. Ihn als Dom zu sehen wäre so abwegig wie ein Schneemann im Sommer.«
»Was ist es dann?«
Frank seufzte und musterte ihn noch einen Moment nachdenklich. Was es auch war, Frank war offenbar noch nicht sicher, ob er diesen Wunsch erfüllen wollte – oder konnte. Auch das war nicht selten. Wenn eine solche Beziehung mit zu viel Liebe bestückt war, dann änderten sich die Grenzen. Subs wollten nicht mehr respektlos behandelt werden und Doms waren mitunter nicht mehr bereit, den gewünschten Schmerz zu liefern. Aber Chris kannte den Partner des Fotografen nicht, also konnte er nichts mit Sicherheit vermuten.
»Jetzt rede schon, Frank. Wir kennen uns seit Jahren. Ich werd’s nicht weitersagen und vielleicht habe ich ja einen Rat – auch wenn ich auf dem Gebiet der festen Beziehungen kein Profi bin.«
»Dafür auf einem anderen Gebiet. Nur deshalb wollte ich mit dir darüber sprechen.«
»Dann tu es auch. Was will er?«
Frank rang immer noch mit sich. Als ob das Aussprechen des Wunsches irgendeine Entscheidung erforderte. Ungeduldig sah Chris seinen Freund an und hielt sich dabei von weiteren, bohrenden Fragen zurück.
»Er wünscht sich … einen Dreier.«
Chris hob die Brauen noch höher. »Das ist doch was. Worauf wartest du? Zwei Subbies sind zu bewältigend, denke ich.«
»Nein«, sagte Frank und verzog unwillig das Gesicht. »Er wünscht sich einen zweiten Dom.«

TBC

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